Beitrag Herrn Pater Fischer

Naturdenkmal – Kulturdenkmal – anvertrautes Traditionsgut

Der Eltenberg ist Naturdenkmal und Kulturdenkmal. Er ist integrierender Teil unserer von Rheinstrom und Eiszeiten geprägten Heimat und somit uns anvertrautes Traditionsgut. WIR SIND TREUHÄNDER!

1. Naturmonument

Der Eltenberg ist Teil einer Stauchwallmoräne der Saale-Eiszeit – also Ergebnis der mittleren von drei Vergletscherungen vor etwa 300.000 bis 130.000 Jahren. Sie umfasst den Eltenberg und das Klever Kliff. Der Rhein durchbrach diese Stauchmoräne und schuf die Niederrheinische oder Geldersche Pforte.

Der Eltenberg und das niederrheinische Stromgebiet sind wegen ihrer Naturschönheit berühmt und als Naturdenkmal zu schützen. Der rechtsrheinische 500 m lang gestreckte, 60 m aus der Ebene aufragende Höhenrücken prägt unverwechselbar das Rheinufer zwischen Emmerich und Arnheim. Natürliche Wasserschluchten trennen ihn von dem anschließenden Höhenzug um Montferland. Der Rhein trennt ihn vom linksrheinischen Klever Berg. Altrheinarme und Teiche prägen die Flora und Fauna dieser Landschaft.

2. Vorkarolingische (Keltische) Fluchtburg

Die westliche, leicht nach West abfallende Spitze des Eltenberges, durch einen noch erkennbaren Wall vom Bergplateau getrennt, diente in vorkarolingischer Zeit als Fluchtburg (Bereich des heutigen „Paters Garten“). Die strategische Lage bot Schutz für Mensch und Tier und ließ sich aufgrund der geographischen Lage mit nach drei Seiten steilen Abhängen leicht verteidigen.

Nordwestlich liegt zu Füßen des Berges der mittelalterliche Handelsplatz „Fornon“, Vornheim, heute Niederelten, dessen günstige Lage zu wichtigen Handelsstraßen erst durch den Bau des Pannerdenschen Kanals (von 1701 – 1707) an Bedeutung verlor.

Seit dem 25.10.2010 sind Burg und Stift Elten als Bodendenkmal erfasst und ausgewiesen – Bodendenkmalblatt KLE 252.

Als Bodendenkmal (KLE 035) eingetragen ist bereits der Geländesporn (Flurname „Auf der Uild“), der durch einen Wall vom östlich gelegenen Bergplateau mit den Stiftsgebäuden abgetrennt ist!

3. Sicherung der Niederrheinischen Lande unter den Karolingern: Gaugrafenburg

Es war das Bestreben Karls des Großen, durch ein System von Vertrauensleuten, die Gau- und Markgrafen, die in markanten, befestigten Orten postiert waren, das Frankenreich zu erschließen, zu sichern und zu kontrollieren. Durch eine effektive Verwaltung wurde das Land geordnet und durch Schaffung von kirchlichen und kulturellen Zentren strukturiert. Die Gaugrafenburg auf dem Eltenberg überschaute und dominierte das Wiesen- und Wasserland am Niederrhein. Sie gehörte zu den sehr seltenen Höhenburgen in dem an Wasserburgen reichen Land.

Die Gaugrafenburg auf dem Eltenberg behielt ihr Gewicht und ihre strategische Bedeutung unter den Ottonen. Sie war Schutzveste gegen von der Rheinmündung her einfallende Eroberer (Normannen) und garantierte die Sicherung und strategische Erfassung der „niederen Lande“ (zunächst ein geographischer Begriff; erst ab 16 Jh. politische Bedeutung: Niederlande).

Wenn der spätere Kaiser Otto der Große im Jahr 944 in Eltnon urkundete, heißt das, dass diese Burg so ausgebaut und ökonomisch leistungsstark war, dass sie den „aus dem Sattel regierenden König“ samt Gefolge (Kanzlei, geistliche und weltliche Herren) und Dienerschaft beherbergen und verköstigen konnte. Die Gaugrafenburg war Wehranlage, Herrschaftssitz und Wirtschaftskern.

4. Gaugraf Wichmann von Hamaland, Herr auf dem Eltenberg,

hatte keine männlichen Erben, die den Vater überlebten. Deshalb stiftete er 968 mit Einverständnis Kaiser Ottos I. nach dem Beispiel der sächsischen Stifte Gandersheim, Gernrode und Quedlinburg die Gaugrafenburg auf dem Eltenberg als Sitz für ein freiadeliges Damenstift. Die Kirche auf dem Berg wurde zur Memorialkirche, in der das immerwährende Gedenken und die Fürbitte für seine Familie des Gründers sowie das Gebet für das Reich institutionalisiert sein sollten.

Das Stift wurde Ort des sichtbar gelebten christlichen Glaubens und der Kultur. 970 und 973 bestätigt Kaiser Otto diese Stiftung. Gaugraf Wichmann stellte das Stift unter den Schutz = Patronat des hl. Vitus, der unter den Ottonern immer mehr zum Sachsenheiligen wurde. 973 wird Wichmanns Tochter Luitgardis als 1. Äbtissin des Stiftes genannt.

Die Geschichte und Baugeschichte des Stiftes Elten sind durch Bauuntersuchungen und Ausgrabungen gut dokumentiert. Zuletzt: Günther Binding, Walter Jansen, Friedrich K. Jungklaaß, „Burg und Stift Elten am Niederrhein“, Archäologische Untersuchungen der Jahre 1964/65, Düsseldorf 1970.     

John Thoben gab 2007 „Urkundenregesten Stift Elten“ heraus.

Die ehemalige Stiftskirche St. Vitus, Freiheit 4, und das ehemalige Stiftsgebäude, Freiheit 2, sind seit 10.12.1985 als Denkmäler in die Denkmalliste eingetragen.

Die Mitteilung über die Eintragung des Bodendenkmals KLE 252, Burg und Stift Elten, in die Denkmalliste der Stadt Emmerich erfolgte am 16. März 2011!!

5. Umwandlung der Burg in ein Stift

Mit der Umwandlung der Burg in ein Stift erfolgte auch der Bau einer circa 65 m langen dreischiffigen, flachgedeckten Basilika (IV), in die die drei schon existierenden Vorgängerbauten (Burgkirche, Rundbau und Kapelle) einbezogen wurden.

Offenkundig führten Unterspülungen am Bergfuß und geologische Veränderungen bzw. Bergrutsche dazu, dass 1100 eine neue Kirche gebaut wurde. Diese dreischiffige, ebenfalls ca. 65 m lange Kirche (Va) ist die älteste Gewölbebasilika am Niederrhein.

Als um 1370 das Südschiff aufgrund geologischer Änderungen und Rutsche am rheinseitigen Hang einstürtzte, wurde das Schiff umgehend wieder aufgebaut. Dabei verwandte man neue = frühgotische Formen.

6. Kirche Vb von 1677

Im Jahr 1585, im 80-jährigen Krieg, wurde die Kirche zerstört und lag über viele Jahre wüst. Die Stiftsdamen residierten in ihrem Haus „Alpen“ nahe der Aldegundis-Kirche in Emmerich. Eine Wiederherstellung in reduzierter Form (nur drei Joche, Haupt- und Nordschiff, Spsis im 4. Langhausjoch, insgesamt 35 m) erfolgte in den Jahren 1671 – 1677 (Vb).

7. Zerstörung 1945 und Wiederaufbau bis 1968

1945 wurden die Stiftskirche und der Eltenberg in 80-stündigem Artilleriebeschuss in Trümmer gelegt. Zunächst sah man für Kirche und Berg keine Hoffnung mehr. Treibende Kraft beim Wiederaufbau war mit anderen Johannes Schlütter (* 14.07.1876 in Rhede, seit 1930 Pfarrer von St. Vitus, +23.09.1946). Ihm wird das einprägsame Bild zugeschrieben: „Der Eltenberg ist der Betschemel Gottes und St. Vitus ist der Leuchter“. Diesen Leuchter gilt es wieder zum Leuchten zu bringen, die Kirche wieder aufzubauen.

ANMERKUNGEN:

Die „Abbaggervariante“ ist unumkehrbar. Sie macht das Naturdenkmal Eltenberg zum Torso mit betonierter Flanke. Sie zerstört in Teilen das Kultur- und Bodendenkmal im Bereich der alten Fluchtburg.

(geschrieben und veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pater Fischer – St. Vitus Hochelten)